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Der Teddy ist geduldig, zuverlässig und widerspricht nicht, eben ein treuer Gefährte wie er im Buche steht - für kleine und große Menschen. Jetzt wird der Plüschbär 100 Jahre alt.
Von Jochen Frank

Zwanzig Zentimeter schwarzer Plüsch. Braune Plastikaugen mit dunklen Pupillen. Abgewetztes Fell und Platzwunden. Abgeliebt eben. Ein Teddybär. Nicht irgendeiner. Er ist etwas Besonderes. Er findet immer Platz. Im Handgepäck, wenn es auf Reisen geht. Vor dem Fernseher bei der Ziehung der Lottozahlen. Mein treuer Gefährte. Seit mehr als fünf Jahrzehnten. Nur brummen kann er nicht. Er spricht mit den Augen.

«Die Augen sind das Wichtigste.» Renate Ernst, Inhaberin des Fachgeschäfts «Bärenstark» im Berliner Antik- und Flohmarkt, muss es wissen. Ob Kind oder Erwachsener, wer einen Teddy kaufen will, sucht Liebe auf den ersten Blick. Und oft ist es der Beginn einer lebenslangen Partnerschaft.
Was hat der Teddybär, was andere nicht haben? Weltweit soll es über fünf Milliarden geben. Er war und ist die Nummer Eins unter den Spieltieren.
Jetzt wird er 100, dieser zottelige Geselle. Von Generation zu Generation weiter gegeben. Und heute wie früher drücken Kinder ihren plüschigen Liebling beim Einschlafen an sich, baumelt er in Autos an Rückspiegeln und Fenstern, wartet er in Hotelzimmern auf die Rückkehr Soloreisender, fliegt er bei Pop-Konzerten als Sympathieträger auf die Bühne. Er tröstet Kranke und Mutlose. Alte und Junge. Überall auf der Welt. Ein Phänomen? Ein bisschen Stoff, Holzwolle und ein Paar Glasaugen. Der Teddy, sagen Psychologen, hat alles, was man sich von einem treuen Gefährten nur wünschen kann. Er ist geduldig und verschwiegen, widerspricht nicht. Er ist zuverlässig, immer da, wenn er gebraucht wird. Eigenschaften, die sich die Werbebranche längst zu Nutze gemacht hat. Teddy schleppt Milchkannen über grüne Alpenwiesen, lässt sich in kuschelweiche Wäsche plumpsen und wirbt für sichere Kindersitze in Autos. Es gibt ihn als Rucksack, Honigtopf, Teekanne, Nussknacker, Buchstütze, Klobürstenhalter . . .
Abgeleitet aus dem Griechischen, arctos (Bär) und philos (Liebe), tauchte der Begriff «Arctophilie» erstmals Ende der 70er Jahre auf. Der Bär boomte als Sammelobjekt. Arctophile, die sichs leisten können, blättern für bärige Veteranen so viel hin wie mancher für Schmuck oder Gemälde. Je älter, desto besser. Je älter, desto teurer.
Für die Mehrzahl aber wird der Teddy das bleiben, was er schon immer war - Vertrauter, Freund und Talisman. Zwar wandert er nach der ersten Phase stürmischer kindlicher Zuneigung häufig in eine Kiste oder eine Schrankecke. Aber irgendwann holt ihn sein Besitzer wieder ans Tageslicht. Erinnerungen an die Kindheit werden wach.
«Da, wo ein Bär die Stellung hält, da mach beruhigt Rast, da bleiben Pech und Unheil vor den Toren», singt Reinhard Mey in einem Lied, das er seinem roten Bären gewidmet hat. «Es kann Dir nichts passier'n, solang´ Du einen Bären hast, bist Du nicht ganz erwachsen, ganz verloren.» Egal, ob er rot ist, braun, weiß oder schwarz. Ob er Platzwunden hat oder nicht. Und ob er brummen kann, ist ohnehin nebensächlich.

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