Der Bär Der Bärenkult ist wohl der älteste Kult, der bereits bei den Neandertalern eine große Bedeutung besaß. Auch die Indianer Nordamerikas erachten den Bären als wichtigen Teil ihrer Mythologie und Religion.
Das liegt zum einen an der imposanten Größe und Stärke des Bären, die dem Indianer ein Vorbild waren, zum anderen liegt es an der Tatsache, dass der Mensch sich dem Bären in vieler Hinsicht verbunden fühlen kann. Gemäß dem Glauben der Indianer besitzt der Bär magische Kräfte und medizinisches Wissen. Zieht ein Indianer in den Kampf, bedient er sich der Bärensprache, um so die Kraft des Bären zu erlangen. Bei Sonnentanzzeremonien ist der Bär wichtig, auch wenn er lediglich durch eine Bärenklaue im Medizinsäckchen des Medizinmannes vertreten ist. Diese Bärenklaue dient als Instrument beim eigentlichen Sonnentanz und ist somit von besonderer Bedeutung.
So ist bei allen Bärenarten festzustellen, dass sie in vielen Situationen auf den Hinterbeinen stehen und sogar laufen und damit einen aufrechten Gang haben. Doch nicht nur darin besteht eine Gemeinsamkeit zum Menschen. Auch die Nahrung weist Ähnlichkeiten auf. Hier hebt sich der Bär eindeutig von anderen Tieren ab indem er zeitweilig von Beeren, Kräutern und Wurzeln lebt, und nicht nur von dem Fleisch seiner Beutetiere. Sogar in Bezug auf Persönlichkeit und Charakter ähnelt der Bär dem Menschen. Bären haben ein außerordentlich gutes und feines Gehör, das selbst über große Entfernungen Geräusche ausmachen und orten kann. Dazu kommt noch die Tatsache, dass der Bär ein Gedächtnis besitzt, welches ihm ermöglicht, sich an Situationen und sogar Lebewesen zu erinnern. Er erinnert sich zum Beispiel an einen bestimmten Jäger, der ihm Schmerzen zugefügt hat und rächt sich an diesem bei nächster Gelegenheit.
Die vielzähligen Gemeinsamkeiten von Mensch und Bär machten es dem Indianer schwer, einen Bären zu töten. Durch die Verbundenheit zu diesem Tier war es in vielen Indianerstämmen der Brauch, sich neben den erlegten Bären zu setzen, um für dessen Seele zu beten, die in das Reich der Tiere zurückkehren sollte, um so den Bärenbestand zu sichern.
Bei der Jagd selbst war es untersagt, über den Bären zu reden. Dies war bedingt durch das gute Gehör und Gedächtnis des Tieres. Die meisten Indianerstämme gaben dem Bären folglich eine Art Spitznamen, um die direkte Nennung Bär zu vermeiden. So hieß der Bär bei den Penobscot zum Beispiel Grandfather, während er bei den Cree-Indianern Four-Legged Human oder Chief´s Son genannt wurde. Andere Stämme reden vom Bären als Old Man in the Fur Coat oder Crooked Tail.

Der Bär als Krafttier

Schlüsselbegriff: Die Macht des Unbewusstem erwecken
Kraftphase: Frühling und Sommer
In Mythen und Sagen ist der Bär ein mächtiges Symbol. Es gibt viele Geschichten von Menschen, die sich in Bären verwandelt haben, von Bären, die sich in Menschen verwandelt haben und von Bären als Götter. Sogar eine Sternenkonstellation wurde danach benannt, der große Bär (ursus major). Sieben Sterne dieser Konstellation sind die am besten erkennbaren Himmelskörper in der nördlichen Hemisphäre. Diese sieben Sterne bilden den großen Waagen und sind assoziativ mit den sieben großen Lichtstrahlen des Göttlichen verbunden. Die Bärensymbolik ist auch lunar, da sie sich auf das Unbewusste bezieht. Der Bär wurde mit der Göttin Diana, der Mondgöttin assoziiert. In der Alchemie symbolisierte er die nigredo („Schwarzwerden“) der materiaprima („Urstoff“). Er bezieht sich auf alle Anfangsphasen und Urinstinkte. Die Indianer betrachten den Bären als Verwandten des Menschen, weil er ähnlich wie die Vögel auf zwei Beinen stehen und gehen kann. Für viele Menschen sind Bär und Wolf die letzten wirklichen Symbole der ursprünglichen Welt der Natur. Viele Ökologen glauben, das die Art, in der Menschen die Lebenswelt und die Zukunft dieser beiden Tiere schützt, der ehrlichste Gradmesser dafür ist, wie ernst es der Menschheit mit dem Schutz der Umwelt und ihrer natürlichen Ressourcen ist. Der Bär ist der größte Fleischfresser, aber er frisst auch sonst fast alles, also auch Pflanzen und Früchte. Sein Fleischverzehr ist deshalb manchmal geringer als der vieler kleiner Fleischfresser, wie etwa des Fuchses.
Im Gegenteil zur weit verbreiteten Meinung hält der Bär keinen wirklichen Winterschlaf. Allerdings leben sie in dieser Zeit zum größten Teil von ihrem angespeichertem Fett. Ihre Körpertemperatur sinkt drastisch, der Atem verlangsamt sich um die Hälfte. Wie tief sie schlafen hängt zum großen teil von der Menge des gespeicherten Fettes ab. Darin spiegelt sich die Fähigkeit des Bären, die lebensnotwendigen Ressourcen in sich selbst zu finden. Der Bär zeigt uns, wie wir ungeahnte innere Energiespeicher anzapfen können. Durch Meditation und Arbeit mit dem Bärensymbol können sie im Inneren Ihrer Seele – sozusagen ihrer heiligen Bärenhöhle – Antworten auf ihre Fragen finden. Während des Winterschlafes hören die Nieren des Schwarzbären vollständig auf zu arbeiten und die Wissenschaftler hoffen, darin Hinweise auf erfolgreiche Nierentransplantationen zu entdecken.
Die Nieren erfüllen eine wichtige Funktion im Körper, indem sie den Urin ausscheiden und das Blutplasma filtern. Im übertragenen Sinne sind sie Symbole der Unterscheidung. Wenn ein Bär in ihrem Leben aufgetaucht ist, so sollten sie sich einige wichtige Fragen stellen: Haben Sie Ihre Urteilskraft verloren? Und wie steht es mit den Menschen in Ihrem Umkreis? Erkennen Sie nicht, was in Ihrem Leben günstig für Sie ist? Gelingt es Ihnen nicht, den Kern des Positiven zu sehen, das tief in allen Situationen verborgen ist? Sind Sie zu kritisch in Bezug auf sich selbst und andere? Oder sehen Sie alles durch die rosafarbene Brille? Die Bärenmedizin ermuntert Sie, tief in Ihr Inneres zu gehen, um aus der Position der Macht Ihre Entscheidung zu treffen. Alle Bären sind erstaunlich schnell. Schwarzbär und Grizzlybär können auf einer kurzen Distanzen eine Geschwindigkeit bis zu vierzig Kilometern erreichen. Alle Bären, einschließlich die Eisbären können klettern und werden oft mit Bäumen assoziiert. In Fernsehsendungen sieht man Bärenjunge hoch oben auf den Bäumen sitzen oder erwachsene Bären, die sich an Baumstämmen reiben. Es gibt sogar „Bärenbäume“, die von den Bären mit ihren Klauen als Wegweiser auf einem oft betretenem Pfad markiert wurden.
Der Baum ist ein ebenso altes und kraftvolles Symbol wie der Bär. Er ist eine natürliche Antenne, die Himmel und Erde verbindet. Verschiedene Bäume haben verschiedene Bedeutungen., symbolisieren im allgemeinen aber Wissen, Fruchtbarkeit und Wachstum. Ebenso wie der Bär uns lehrt nach innen zu gehen und unsere inneren Potentiale zu wecken, erinnert uns der Baum, auch das zur Reifung zu bringen, was wir aus dem Boden aufgenommen haben. Menschen mit dem Bären als Krafttier sollten das Bärenjunge in sich lebendig halten und hin und wieder einmal auf Bäume klettern und wenn es nur geschieht um eine klare Perspektive zu erlangen.
Ferner sollten sich Bärenmenschen nicht verbergen, sie sollten nicht versuchen, das ganze Jahr Winterschlaf zu halten. Sie müssen die Höhle auch wieder verlassen. Das zeigt sich sogar im Geburtsprozess des Bären. Die Weibchen gebären im Tiefschlaf in Phasen, die zwischen dem Winterschlaf und dem Wachzustand liegen. Meistens werden zwei Junge geboren, manchmal auch drei. Nach der Geburt sind sie hilflos und nur halb bewusst. Sie werden den ganzen Winter in der Sicherheit und Wärme der Höhle aufgezogen.
Beim Herannahen des Frühlings verlassen Mutter und Jungtiere die Höhle. Inzwischen sind die Jungen stark genug geworden, um ihrer Mutter zu folgen. Dies ist bedeutsam für Menschen mit dem Bären als Krafttier. Es spiegelt die Notwendigkeit, tief ins Innere des eignen Selbst zu gehen und sich in bestimmten Lebensphasen von anderen fernzuhalten. In diesen Zeiten können dann zwei, manchmal auch drei neue Projekte entstehen. Sie können den Winter hindurch ernährt werden und beim Herannahen des Frühlings in der Außenwelt heranwachsen. Bärenmenschen werden diesen Zyklus der Abgeschiedenheit während des Winters sehr natürlich finden. Mit dem Frühling kommen dann die Gelegenheiten, in Bezug auf das, was in den Wintermonaten genährt wurde, aktiver und selbstbewusster zu handeln. Aber Bärenmenschen sollten trotzdem geduldig sein, denn auch die Bärenjungen bleiben meistens bis zu zwei Jahren bei der Mutter. Das kann bedeuten, das all jene Projekte, die Sie entwickelt haben erst im zweiten Jahreszyklus zu voller Reife gelangen.
Obwohl der Bär mit dem Hund entfernt verwandt ist, steht er dem Waschbär näher. Es gibt viele verschiedene Bären. Die häufigste Spezis ist der Schwarzbär. Im Grunde ist das ein irreführender Name, da nicht alle Schwarzbären auch wirklich schwarz sind. Sie können braun oder zimtfarben sein und verschiedene Farbkombinationen aufweisen. Sowohl erwachsene wie auch junge Bären sind sehr verspielt. Auch daran sollten Menschen mit diesem Krafttier denken. Der größte Bär ist der Braunbär von Alaska, der hauptsächlich als Einzelgänger lebt. Er ist mit dem Grizzlybär verwandt, der für seine Kraft und sein Ungestüm bekannt ist. Dennoch ist er nicht von Natur aus aggressiv.
Der bei weitem hervorragendste Jäger der Bärenfamilie ist der Eisbär. Dieser weiße Bär kennt keine Furcht. Er ist der aggressivste unter den Bären und frisst am meisten Fleisch. Er steht an der Spitze der Nahrungskette und hat außer den Menschen keinen Feind. Er ernährt sich zum größten Teil von Seehunden. Menschen, die den Eisbär als Krafttier haben, sollten auch die Eigenschaften des Seehundes studieren. Alle Bären lieben den Honig. Der ist die natürliche Süße des Lebens. Er kommt meist in Bienenstöcken auf Bäumen vor und auch dies spiegelt eine Beziehung zwischen Bären und Bäumen wider. Für Menschen mit dem Bärentotem ist das ein Hinweis, die Kraft im eignen Inneren zu suchen, aber erst wenn sie nach außen gebracht und angewandt wird, kann man den Honig des Lebens genießen.